Was passiert, wenn wir zu Hause bleiben?

Liebe Freundinnen und Freunde des LIMBOS,

kauft ihr Kunst? Und wenn ja: wo, wie und warum? Wie wichtig ist Kultur? Was ist Kultur überhaupt? Und brauchen wir sie noch? Geht ihr auf Konzerte, ins Kino oder in kleine Theater?

In Zeiten klammer Kassen scheint Kultur manchmal wie ein nettes Extra. So wie Gemeinschaft. Etwas, das man sich leistet, wenn alles andere erledigt ist. Doch was passiert, wenn Kunst, Kultur und soziales Miteinander nur noch im Privaten stattfinden? Wenn für Unterhaltung vor allem Mega-Events sorgen?

Brauchen wir noch Kinos, wenn Netflix und Amazon Prime die Filme direkt ins Wohnzimmer bringen? Oder Clubs und Diskotheken, wenn das perfekte Soundsystem zu Hause wartet? Braucht es noch Cafés und Bars, wenn die Espressomaschine in der eigenen Küche besseren Kaffee verspricht? Und Restaurants, wenn nach Sauerteig- und Fermentationsworkshops das eigene Fine Dining in der Altbauwohnung stattfindet? Natürlich entstehen viele der schönsten Orte aus privatem Engagement. Auch LIMBO ist einer davon. Die Frage ist nicht, ob Menschen Verantwortung übernehmen sollten. Die Frage ist, was passiert, wenn nur noch diejenigen Verantwortung übernehmen können, die über genügend Zeit, Geld oder Besitz verfügen. Und was geschieht, wenn öffentliche Förderung dort verschwindet, wo private Initiative sie nicht ersetzen kann.

Diese Fragen beschäftigen mich schon lange und noch mehr, seit wir LIMBO machen. Welche Rolle werden sogenannte Dritte Orte künftig spielen? Orte, an denen Menschen zusammenkommen, ohne zu Hause oder bei der Arbeit zu sein. Versteht mich bitte nicht falsch: Ich mache es genauso. Im Giardino gefällt es mir so gut, dass es nur wenige Gründe gibt, ihn überhaupt zu verlassen.

Algorithmen schlagen uns vor, was uns gefallen könnte. Manchmal überraschen sie uns sogar. Gleichzeitig wird die Welt kleiner. Wir begegnen immer häufiger dem, was wir ohnehin schon kennen. Dem, was uns vertraut ist. Deshalb: Geht nach draußen. Schaut euch eine Ausstellung an, die euch auf den ersten Blick nicht interessiert. Geht ins Kino, ohne zu wissen, welcher Film läuft. Greift in den Bücherschrank und nehmt ein Buch wegen seines Covers mit. Nehmt einen anderen Weg zum Bäcker, auch wenn er zehn Minuten länger dauert. Oder geht einfach zu einem anderen Bäcker. Macht etwas, das keinen unmittelbaren Nutzen hat. Etwas, das nicht optimiert ist. Etwas, das vielleicht sogar ein bisschen sinnlos erscheint.

Für diesen Sommer haben wir ein kleines Programm zusammengestellt. Für uns ist daraus eine runde Sache geworden. Kommt vorbei, auch wenn es vielleicht etwas Besseres zu tun gäbe. Wir freuen uns auf euch.

Martina

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Fee Reega